Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation - IAO hat zur Jahresmitte 2020 eine Studie mit dem Titel HomeOffice Experience - Eine empirische Untersuchung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie veröffentlicht.
Darin beschreiben die Autoren Milena Bockstahler, Mitja Jurecic und Stefan Rief ihre empirische Untersuchung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie und wagen eine Prognose zur zukünftigen Entwicklung für Büroarbeitsplätze.
Die Umfrage erfolgte im Rahmen des Verbundforschungsprojekts OFFICE 21®.
Einmalige Chance einer Krise
Die Forscher reagierten am Anfang der Virus-Epedemie zum Jahresbeginn 2020, sahen offenbar sehr schnell ihre einmalige Chance für die hier beschriebene Untersuchung und starteten bereits im Mai 2020 mit der Studie.
Eine empirische Untersuchung aus Nutzersicht während der Corona-Pandemie
Nach Ansicht der Autoren wurden durch die im Zuge der Infektionsschutz-Maßnahmen während der Corona-Pandemie veränderten betrieblichen Abläufe Entwicklungen in der Arbeitswelt beschleunigt, die sich bereits vor der Pandemie in Ansätzen abgezeichnet hatten.
Rahmenbedingungen der Studie
Die Umfrage wurde vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Rahmen des Verbundforschungsprojekts OFFICE 21® mit folgenden Parametern durchgeführt:
Angaben von rund 2.100 Befragten
im Rahmen einer Online- Erhebung
im Zeitraum von Mai bis Juli 2020
in anonymisierter Form
Fragestellung der Studie
Auswirkung des Arbeitens im HomeOffice während der Corona-Pandemie auf individuelle Erfolgsfaktoren
Auswirkung der virtuellen Arbeitsumgebung auf die Zusammenarbeit mit anderen Personen
Auswirkung der individuellen Voraussetzungen und Arbeitsdauer im HomeOffice auf Erfolgsfaktoren wie:
| Produktivität
| Kreativität
| Wohlbefinden
Zukunftsszenarien
Zentrale Ergebnisse
Optimierungspotenzial bei der Ausstattung
Die technische EDV-Ausstattung im HomeOffice entspricht überwiegend den Anforderungen
Die Qualität und Ergonomie der Arbeitsplatzausstattung wird als eher unzureichend eingestuft
Häufig unzureichend sind:
Schreibtisch
Stuhl
Aufstellung des Bildschirms
Die nachfolgenden Ausführungen bilden nur einen kleinen Teil der gehaltvollen Studienergebnisse ab.
Der interessierten Leserin oder dem Leser lege ich die Lektüre der 60-seitigen (zweisprachigen) Veröffentlichung nahe.
Natürlich unterstütze ich Sie auch gerne bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen in Ihrem Betrieb, wenn Sie Erkenntnisse hieraus in den betrieblichen Alltag umsetzen möchten.
Separates Arbeitszimmer als Erfolgsfaktor
Die Leistung von Personen, die in einem separaten Arbeitszimmer arbeiten, ist signifikant höher im Vergleich zu Personen, die in anderen Wohnbereichen arbeiten.
Typische Arbeitsbereiche im HomeOffice
Arbeitszimmer (48%)
Küche, Wohn-/Esszimmer (34%)
Schlafzimmer (9%)
Konzentration
Im HomeOffice besser möglich als im Büro sind:
konzentrierte Einzelarbeit (60%) und komplexe Tätigkeiten
Telefonieren/Webkonferenzen (43%)
Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass es im Büro aktuell noch nicht genügend Möglichkeiten zum Rückzug gibt.
Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten sollten daher bei der Ausgestaltung künftiger Raumkonzepte deutlich stärker berücksichtigt werden.
konzentrierte Einzelarbeit
besser geeignet: HomeOffice 60%
besser geeignet: Büro 16%
HomeOffice und Büro gleichwertig: 23%
Telefonieren/Webkonferenzen
besser geeignet: HomeOffice 43%
besser geeignet: Büro 19%
HomeOffice und Büro gleichwertig: 37%
Eignung für kreative Aufgaben
besser geeignet: HomeOffice 34%
besser geeignet: Büro 29%
HomeOffice und Büro gleichwertig: 29%
Eignung für Arbeit mit sensiblen / personenbezogenen Daten
besser geeignet: HomeOffice 24%
besser geeignet: Büro 18%
HomeOffice und Büro gleichwertig: 37%
Performance
Angaben aus der Selbsteinschätzung der Befragten:
Ausmaß an Konzentration: am höchsten
Performance: gut
Flow-Erlebnis: niedrig
Produktiv im HomeOffice
… HomeOffice oder doch lieber Büro? - Betrachtung der Produktivität
Die Befragten schätzen ihre Produktivität wie folgt ein:
Die Produktivität unterscheidet sich dabei kaum zwischen Personen mit oder ohne Betreuungsaufgabe im privaten Bereich.
Die Gründe hierfür scheinen allerdings aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutz weniger erfreulich …
HomeOffice | Produktivität, Einfluss von Betreuungsaufgaben
… Gründe für nur geringfügig reduzierte Produktivität bei Betreuungsaufgaben im HomeOffice:
Arbeit vermehrt auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten (Verschiebung)
Arbeit bis spät in die Nacht und/oder am Wochenende (34-38%)
Überschreitung der üblichen Arbeitszeit (36-44%) (Ausweitung)
Arbeitszeiten
Aus Sicht des Arbeitsschutzes sind die mitunter in der Praxis im HomeOffice auftretenden Arbeitszeiten als bedenklich einzuschätzen.
Dieser Aspekt bedarf einer geeigneten Diskussion im Unternehmen und sollte explizit bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Die Eigenverantwortung der Mitarbeiter in diesem Zusammenhang zu fördern ist sicherlich sinnvoll, aber in der Regel nicht ausreichend.
Neben den rechtlichen Aspekten (Arbeitszeitgesetz) sind auf längere Sicht unbedingt auch die gesundheitlichen Auswirkungen zu berücksichtigen.
Auch Leistungsfähigkeit und Fehlerhäufigkeit stehen im Zusammenhang mit der Arbeitszeitgestaltung.
Bereits im Zusammenhang mit der NewWork-Bewegung wurde der Aspekt der Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben und dessen Auswirkung auf den Menschen thematisiert.
In der Studie fand bei der Betrachtung der Arbeitszeiten im HomeOffice eine Differenzierung dahingehend statt, ob Beschäftigte Zuhause neben der Arbeit auch noch Betreuungsaufgaben, also die Betreuung anderer Personen wie Kindern zu übernehmen hatten.
Dieser Aspekt hat sicherlich zu Zeiten der Pandemie eine besondere Bedeutung.
Aber auch zu “normalen” Zeiten können natürlich derartige Faktoren aus dem privaten Umfeld eine Rolle spielen.
Informationsfluss
Als schlecht für den Informationsfluss bei Arbeiten im Home-Office wurde identifiziert:
Vernetzung
spontane Informationsvermittlung
Als gut für den Informationsfluss bei Arbeiten im Home-Office wurde identifiziert:
Arbeiten mit Dokumenten
Der Informationsfluss im Home-Office korreliert mit verschiedenen Faktoren:
Über diese Faktoren besteht für das Unternehmen die Möglichkeit positiven Einfluss zu nehmen.
Quellenangaben
Das Zahlenmaterial und ein großer Teil der auf dieser Seite dargestellten Informationen entstammen beziehungsweise basieren auf der Veröffentlichung:
Autoren der Publikation: Milena Bockstahler, Mitja Jurecic, Stefan Rief
Herausgeber: Anette Weisbecker, Wilhelm Bauer, Oliver Riedel
Erscheinungsjahr: 2020
Haftungsausschluss:
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